Zwei unterschiedliche Systeme!
Je länger ich darüber nachdenke, desto faszinierender finde ich die Frage:
Welchen Einfluss haben Hormone eigentlich wirklich auf meine Realitätserschaffung?
Natürlich gibt es Hormone.
Natürlich gibt es körperliche Zustände.
Natürlich gibt es Nervensignale, Erschöpfung, Hunger, Schmerz, Adrenalin, Cortisol und all die anderen Dinge, die in diesem unfassbaren menschlichen Organismus passieren.
Aber erschaffen diese Dinge meine psychologische Realität?
Das ist für mich die entscheidende Frage.
Nehmen wir Schmerz.
Wenn Schmerz automatisch unser Erleben bestimmen würde, wie kann es dann sein, dass Menschen durch Hypnose medizinische oder zahnmedizinische Eingriffe mit deutlich veränderter Schmerzwahrnehmung erleben können? Wie kann Selbsthypnose funktionieren?
Hypnose ist ein Extrembeispiel, ich weiß! Doch auch ohne Hypnose ist das psychologische Erleben von Mensch zu Mensch und von Moment zu Moment immer unterschiedlich.
Offensichtlich ist das Signal nicht die ganze Geschichte.
Da ist vielleicht ein körperliches Signal. Nerven feuern. Mein Gehirn verarbeitet etwas. Etwas tut weh.
Aber dann kommt etwas völlig anderes dazu:
Was mache ich daraus?
Vielleicht gar nichts.
Vielleicht denke ich: Aua.
Ende der Geschichte.
Oder ich baue aus diesem einen Signal innerhalb von Sekunden ein komplettes Universum:
Scheiße. Was ist das? Was, wenn das schlimmer wird? Hoffentlich ist das nichts Ernstes. Warum passiert das ausgerechnet mir? Das halte ich nicht aus. Was, wenn das nie wieder weggeht?
Und plötzlich habe ich nicht nur Schmerz.
Ich habe eine Welt erschaffen.
Eine Realität.
Mein kleines Universum.
Das ist für mich der gewaltige Unterschied zwischen Schmerz und Leiden.
Schmerz ist eine körperliche Empfindung. Ein Signal. Etwas geschieht in meinem Körper und wird von meinem Nervensystem verarbeitet.
Leiden dagegen ist Erleben.
Und dieses Erleben ist nicht einfach identisch mit dem Signal.
Es entsteht daraus, was in meinem Denken lebendig wird.
Genau hier wird es für mich richtig spannend.
Denn dasselbe gilt für Hormone.
Hormone können körperlich etwas verändern. Sie können Aktivierung verändern, Müdigkeit, Hunger, Wachheit, Empfindlichkeit, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar beeinflussen, welche Gedanken sich leichter anbieten. Vielleicht!
Aber ein Hormon kann nicht für mich denken.
Es kann nicht entscheiden, welcher Gedanke für mich zur Wahrheit wird.
Es kann meinem Denken nicht von selbst Bedeutung verleihen.
Die Bedeutung entsteht in meinem eigenen Realitätserschaffungsprozess.
Und genau dort liegt für mich eine unglaubliche Freiheit.
Ich erschaffe aus etwas, das zuvor nicht existiert hat, eine erlebte Welt.
Ein Gedanke taucht auf.
Ich gebe ihm Bedeutung und Power.
Bewusstsein erweckt ihn zum Leben.
Und plötzlich stehe ich mitten in einem Universum, das Sekunden zuvor noch überhaupt nicht existierte.
Das ist mein kleines Quantenfeld.
Nicht im physikalischen Sinne eines Quantenfeldes, sondern als Bild für diesen unglaublichen schöpferischen Raum, in dem aus Nichts plötzlich eine ganze erlebte Welt entstehen kann.
Master of my Universe.
Nicht weil ich meinen Körper kontrolliere.
Nicht weil ich verhindern kann, dass Hormone ausgeschüttet werden.
Nicht weil ich entscheiden kann, ob meine Nerven Schmerzsignale senden.
Sondern weil all das nicht festlegt, welche psychologische Welt ich daraus erschaffe.
Das ist für mich die eigentliche Macht.
Ich kann einem Gedanken Macht verleihen.
Und in dem Moment, in dem ich das tue, kann daraus ein ganzes Universum entstehen.
Angst. Hoffnung. Katastrophe. Freiheit. Verzweiflung. Möglichkeit.
Alles aus etwas, das einen Augenblick zuvor noch nicht existierte.
Und vielleicht besteht Freiheit deshalb gar nicht darin, keine Schmerzen, keine Hormone und keine heftigen körperlichen Empfindungen mehr zu haben.
Vielleicht besteht Freiheit darin, immer klarer zu sehen:
Das Signal ist ein Signal.
Die Welt, die ich daraus erschaffe, ist meine Kreation!
Sie ist das Universum, in dem ich gerade lebe.
Mein persönliches Realitätserleben.
