Euer Unternehmen hat kein Strategieproblem!

Euer Unternehmen hat kein Strategieproblem!

Ruhig unter einem Geschütz. Panisch wegen einer Deadline.

State before Strategy, Teil 1

Anfang 2023 habe ich für ARTE im Irak mit einer schiitischen Miliz gedreht, einer dieser iranisch gesteuerten Gruppen. Wir sind auf ihrem Truck mitgefahren, mit einem riesigen Geschütz obendrauf.

Und ich war ruhig. Nicht so ein bisschen ruhig. Extrem ruhig.

Nach allem, was ich über Stress gelernt hatte, hätte ich in Panik sein müssen. Viel extremer geht es eigentlich nur noch im Kugelhagel. Und trotzdem war in mir kein Stress.

Hinter der Kamera bin ich oft vollkommen präsent. Wenig Denken, nur das, was vor der Linse passiert. Und wenn wir präsent sind, kann um uns herum die Hölle ausbrechen und wir bleiben fokussiert.

Auf dem Truck mit dem Geschütz: ruhig. Im Meeting wegen eines wackeligen Termins: Alarm. Wenn der Druck von der Situation käme, müsste es genau andersrum sein.

Montagmorgen. Ein Projekt läuft schief. Der Kunde ist genervt, der Termin wackelt, und im Meeting geht es erst mal darum, wer es verbockt hat. Jetzt bräuchten wir kreative Ideen und Menschen, die zuhören.

Und was machen wir? Wir erhöhen den Druck.

Schon irgendwie spannend, oder? Wer gerade innerlich seine Verteidigungsrede vorbereitet, hat wenig Platz für eine frische Idee.

Was ich auf dem Truck erlebt habe, ist Physik. Nicht Psychologie. Physik.

Physik und Engineering

Ein Bauingenieur, der die Physik nicht kennt, kann trotzdem Häuser bauen. Sie stehen nur nicht so fest, und er traut sich wahrscheinlich weniger. Wer ein Unternehmen führt, baut den ganzen Tag: Strategien, Prozesse, Teams, Entscheidungen. Das nenne ich Engineering. Und das Engineering ist meistens gar nicht schlecht. Es steht nur auf einer Physik, die uns nie jemand erklärt hat.

Mit Physik meine ich das, was unser Erleben überhaupt erst möglich macht. Die Spielregeln, bevor das Spiel losgeht. Die Schwerkraft fragt auch nicht, ob du an sie glaubst.

Was die Physik sagt

Erstens: Wir denken. Ununterbrochen. Den ganzen Tag und die halbe Nacht. Gedanken sind wie Züge, die in meinen Bahnhof einfahren. Welche Züge kommen, kann ich nicht beeinflussen, und es gibt keinen Fahrplan. Dieses Prinzip heißt Thought, Gedanke.

Zweitens: Wir erleben, was wir denken. Es gibt eine Kraft in uns, die jeden Gedanken zum Leben erweckt, mit Herzschlag, Magen, dem ganzen Paket. Ich nenne das Full Body Experience. Denken und Fühlen sind eine Energie, keine zwei. Dieses Prinzip heißt Consciousness, Bewusstsein.

Drittens: Wir erleben nie die Situation. Wir erleben immer unser Denken über die Situation. Bei jedem Menschen, in jedem Moment. Es gibt Fakten, Zahlen, Kunden, Trucks mit Geschützen drauf. Aber ich kann sie nur durch mein Denken wahrnehmen. Deshalb leben acht Milliarden Menschen in acht Milliarden Welten, Moment für Moment.

David Bohm, ein Quantenphysiker, hat das auf den Punkt gebracht: Das Denken erschafft die Welt und sagt dann: Ich war’s nicht.

Genau das passiert in jedem Meeting. Es fühlt sich an, als käme mein Erleben von der Zahl, vom Kunden, vom Markt. Es ist aber 180 Grad andersrum. Das Denken ist ein unabhängiger Faktor.

Am Montag sehe ich, dass das Team hinter dem Zeitplan liegt, und bleibe ruhig. Am Dienstag sehe ich dieselbe Situation und klappe innerlich zusammen. Die Situation hat sich nicht verändert. Mein Denken schon.

Im Kino ist uns das völlig klar. Ich sitze im Saal, erschrecke mich oder heule, und gleichzeitig weiß ich, dass da nur Licht auf eine Leinwand fällt. Das Gefühl ist echt, das Monster nicht. Im Alltag halten wir den Gedankenfilm für die Welt. Wenn das Engineering der Film ist, dann ist das Kino die Physik dahinter. Und genau dieses Kino zu sehen, darum geht es hier.

Im zweiten Teil geht es darum, was das für Unternehmen heißt: für Entscheidungen, für Kreativität und für High Performance, die nicht in Erschöpfung enden muss.

State before Strategy. Erst der Zustand, dann der Plan.